360-Grad-Kommunikation oder das Prinzip Gießkanne

Stefan Matern/ 03. November 2017

Vereinfachungen haben immer Konjunktur. Sie erleichtern uns das komplizierte Leben. Einfache Kommunikation. Kurze Sätze. Wiederholungen. Kernbotschaften. Und das alles 360 Grad. So einfach, wirklich?

Das Konzept der 360-Grad-Kommunikation ist tot. So hallt es derzeit durch die Branche. Aber gab es da überhaupt ein Konzept? Es war eher eine Floskel. Aber nicht in 360 Grad zu kommuni­zieren war zeitweise fast verboten. Der Terminus »360 Grad« beschreibt dabei die Kommunikation einer Marke in alle Richtungen und blind hinweg über alle Kanäle mit der immer gleichen Botschaft. Klingt schön einfach.

Einfach ist nicht immer schlecht

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Vereinfachungen sind nicht schlecht. Auch wir vereinfachen. SZ Scala – alles für eine gute Geschichte. Schon mal gelesen? Wir verwenden den Satz bei jeder passenden Gelegenheit. Hinter diesem oberflächlich einfachen Satz verbirgt sich jedoch ein immer wieder neues Konzept für Kommunikation in Zusammenarbeit mit Kunden. 360-Grad-Kommunikation ist nicht tot. Sie ist vielleicht nur nicht ganz so einfach, wie man das gerne hätte.

360 Grad bedeutet für uns, die Zielgruppen und potenziellen Kunden mit dem für sie relevanten Content zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle – über den richtigen Kanal – abzuholen. Dafür muss man vorher identifizieren, wo die Zielgruppe unterwegs ist, welche Informationen die Zielgruppe überhaupt an dieser Stelle sucht und welche unterschiedlichen Segmente es innerhalb der Zielgruppe gibt.

Das sprichwörtliche Patentrezept gibt es nicht, nur maßgeschneiderte Lösungen.

Der richtige Content am richtigen Ort

Nicht jeder Content eignet sich für jeden Kunden über jeden Kanal gleichermaßen. Auch in diesem Zusammenhang funktioniert das Prinzip Gießkanne eher schlecht. Manche Marken pflegen mit dem passenden Content starke Präsenzen auf Instagram und Facebook, ignorieren dafür komplett alles Gedruckte. Andere Marken sind mit einem Interessenten-Magazin, einem Newsletter und einer Webseite bestens bedient, haben dafür aber keinen Twitter-Auftritt und verbreiten ihren Content nicht über Facebook. Hier gilt es nicht nur, die richtigen Kanäle für den Content zu identifizieren und festzulegen, sondern auch laufend die Performance zu überwachen. Einfach ist das nicht, aber wirkungsvoll, in alle Richtungen.

tl;dr: 360-Grad-Kommunikation ist nicht tot. Sie ist nur nicht so einfach, wie man sich das ab und zu vorstellt.