Den Computern ein Vorbild

Carsten Matthäus/ 11. Oktober 2017

Was, wenn die Smartphones nur eine Zwischenstation sind. Wenn die Bedienung der Geräte noch intuitiver wird, es dem Lesen ergeht wie der Handschrift: nett, wenn man es kann, nicht mehr unbedingt notwendig, verlernbar.

Was, wenn der Zwischenschritt über geschriebene Worte den Fluss der Mensch-Maschine-Kommunikation eher hindert als fördert. Wir bereiten uns jetzt schon darauf vor, mehr mit Maschinen zu gestikulieren und zu reden, als ihnen unsere Befehle einzutippen.

Weniger verstehen, mehr fühlen

Wenn sie nun auch noch besser erkennen können, was wir wahrnehmen, werden sie unser Verständnis der Welt spiegeln, tausendfach und immer genauer. Sie lernen immer schneller, denn unendliche Wiederholungen in kürzester Zeit, das ist ihre Stärke. Bei jedem Blick, den wir durch ihre smarten Fenster tun, werden sie wieder ein Stück besser werden, sich neben uns zu stellen mit ein paar nützlichen Hinweisen. Wenn sie mit ihren Sensoren sogar mehr sehen, riechen, schmecken, hören, tasten können als wir, werden sie uns eine Welt zeigen, die etwas mehr die ihre wird. Wir werden weniger verstehen und mehr fühlen müssen, wie wir diese erweiterte Realität finden. In Teilen fangen wir schon damit an, wenn sich digitale Wetterfühler weit vor uns ausstrecken und Reisepläne wegen ungünstiger Prognosen ändern.

Die menschliche Stärke

Wir müssen vor diesen lernenden Maschinen keine Angst haben. Solange wir selbst noch verstehen, was mit uns geschieht. Nur gibt es eine Voraussetzung: Wir müssen erwachsen bleiben.

Das eigentlich Erschütternde in der digitalen Welt ist die kindliche Vertrauensseligkeit und die willenlose Hingabe von Menschen an Maschinen, mit denen sie augenscheinlich nur herumspielen. Wenn sie nicht merken, wann die Maschinen nicht mehr nur reagieren, sondern ihr Gegenüber manipulieren. Dann verspielen Menschen im Wortsinne ihre natürliche Position der Stärke gegenüber Maschinen.

Die Maschinen lesen und lernen

Die Maschinen – oder genauer die, die sie programmieren – wollen diese immer intuitivere Welt aus guten Gründen. Je weniger ein Mensch können oder wissen muss, um mit Maschinen zu interagieren, desto besser sind Maschinen in alle Lebenssituationen integrierbar. Nahtlose Übergänge vom Einflussbereich einer Maschinensphäre in eine andere sind keine Utopie mehr. Die Wahrscheinlichkeit, sich von Sensoren, Kameras und Trackern gänzlich unbeobachtet zu bewegen, wird immer niedriger. Dieses ständige „Mitlesen“ menschlicher Abläufe erzeugt unendliche Möglichkeiten, wenn Rechner sie zu deuten gelernt haben. Es kann durchaus möglich werden, immer genau das anzubieten, was ein bestimmter Mensch sich in einer einzigartigen Situation wünscht.

Eine Utopie?

Und das muss nicht schlecht sein, im Gegenteil. Es könnte die Menschen vom ständigen Herumquaken ungezielter Werbung verschonen. Unternehmen, die nur noch gezielt und situationsspezifisch auf Kunden zugehen, könnten ein Clean-Marketing-Siegel erhalten und damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den lauten Marktschreiern. Und es kann damit wieder mehr in der Hand des Kunden liegen, Bereiche seines Lebens werbefrei zu halten.

Erwachsen bleiben

Das aber wird davon abhängen, ob wir erwachsen bleiben. Denn nur dann, wenn wir durch unser Verhalten deutlich machen, dass die Maschinen unsere Helfer sind und nicht umgekehrt, werden sie von uns lernen, sich in den richtigen Momenten zurückzuhalten. Wie Erwachsene eben, nicht wie verwöhnte kleine Kinder.