„Der erste Eindruck muss stimmen“

Was ich sagen kann – Gespräche über Kommunikation: Kim Wlach verantwortet beim Münchner Start-up eluminocity Geschäftsentwicklung und Marketing. Erst mit dem Logo entwickelte das Unternehmen eine eigene Identität.

14. Februar 2018

Frau Wlach, herzlichen Glückwunsch: Sie entwickeln seit vier Jahren mit eluminocity Ladestationen für Elektroautos und intelligente Straßenbeleuchtung, jetzt steigen zwei große Namen ein.
Danke, es war unheimlich wichtig, diese strategischen Partner zu finden. Der technische Leuchtenhersteller Trilux und innogy als Energieunternehmen passen inhaltlich hervorragend zu uns. Wir wissen, dass wir als kleines Unternehmen nicht überall sein können. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren nach Partnern gesucht, mit denen wir außerhalb des DACH-Raums Fuß fassen können.

Ein Start-up gründen ist das eine, es bekannt zu machen das andere. Wie haben Sie Aufmerksamkeit erzeugt?
Als ich zum Unternehmen kam, wurden wir nicht so wahrgenommen, wie wir wahrgenommen werden wollten. Ich habe das Marketing und das Branding aufgebaut und wir haben die Marke konsequent in allen Bereichen angewandt – auf den Vertriebsmaterialien genauso wie beim Messeauftritt. Gerade sind wir dabei, die Website zu optimieren. Es kommen immer neue Themen dazu und wir müssen priorisieren. Wir können nicht alles gleichzeitig machen, dazu fehlen die Ressourcen.

Was meinen Sie damit, dass Sie nicht so wahrgenommen wurden, wie Sie wollten?
Wenn Sie ein Produkt kaufen, haben Sie eine bestimmte Antizipation, was das Produkt leisten kann. Der erste Eindruck muss stimmen. Unser erstes Logo sah aus, als hätte ich es selbst in Microsoft Word erstellt. Das neue Logo hat dagegen einen angenehm technischen Einschlag.

Braucht es die klassische, gedruckte Broschüre heute wirklich noch?
Ja, sie gehört zu den grundlegenden Materialien, die man braucht, um als Firma wahrgenommen zu werden. Es geht dabei aber auch um ein Gefühl: Erst mit einem Büro und einem Logo und einer Website und Vertriebsunterlagen fühlten wir uns als Firma. Wir haben uns unsere Identität im Laufe des Brandings erarbeitet.

Wie sind Sie bei der Markenentwicklung vorgegangen?
Mit Freunden habe ich schon vor eluminocity die Startup-Alm gegründet, bei der wir im Rahmen von Hüttenwochenenden Gründungswillige mit Startup-Mentoren zusammenführen. Wir nutzen dort das Business Model Canvas, mit dem wir auch für eluminocity die Value Proposition und die Zielgruppen definiert haben. So entwickelten wir ein Verständnis für das, was uns ausmacht. Mit Hilfe des Ergebnisses entwickelte eine Agentur unseren visuellen Auftritt.

Formt dieses Ergebnis noch immer das Unternehmen?
Auf jeden Fall. Unser Selbstverständnis leitet sich aus diesen Ergebnissen ab: Was ziehe ich am Messestand an? Wie spreche ich mit meinen Kunden?

Lassen Sie uns noch kurz über das Design sprechen…
Sie meinen den blinkenden elumino-Ring?

Ja.
Wir haben ihn als unser Markenzeichen herausgearbeitet. Mit dieser Ikonographie kann man gut spielen, sei es als Deko-Element in den Broschüren oder als Bullet-Point in Dokumenten.

Sie haben vorhin angesprochen, dass Sie immer wieder neu priorisieren müssen. Was meinen Sie damit?
Ich war früher im Vertrieb und habe gesehen, wie Kunden einen zwingen, klar zu denken und zu formulieren: Was will ich verkaufen? Wem nützt es? Wie? Dieser Pragmatismus hat mich geprägt. Bei jeder Marketingidee fragen wir uns heute ganz kühl: Bringt uns das in einem der drei Topthemen voran? Eine Poster-Serie an Bushaltestellen zum Beispiel würde Spaß machen, aber führt sie uns weiter?

Eine Poster-Serie an Bushaltestellen zum Beispiel würde Spaß machen. Aber führt sie uns weiter?

Vielen fällt es vor allem zu Beginn einer Unternehmensgründung schwer, Prioritäten zu setzen. Aus Angst, Kunden oder Kontakte zu verpassen, bespielen Start-ups alle Kanäle und setzen sich an alle Türen – es könnte ja jemand reinkommen.
Die Gefahr in einem neuen Bereich ist immer dieselbe: Es entgehen einem Chancen, weil man nicht weiß, was funktioniert. Das ist aber okay. Ohne den Mut zur Lücke geht es nicht.

Welche Entscheidung bei der Entwicklung von eluminocity stellte sich als besonders gut heraus?
Die Kooperation mit Infineon, einem unserer Lieblingspartner. Vor allem in der Kommunikation arbeiten wir eng mit den Kollegen zusammen, wir gehen gemeinsam auf Veranstaltungen und Messen und multiplizieren so unsere Botschaft.

Wie priorisieren Sie Ihre persönliche Arbeit?
Morgens, ehe ich meine Mails öffne, schreibe ich in mein Notizbuch, was ich schaffen möchte. Dieses Ziel erreiche ich nicht immer. Aber es ist wichtig, sich am Vormittag zwei Stunden mit langfristigen, wichtigen Dingen zu beschäftigen. Kennen Sie die Eisenhower-Methode?

Nein.
Man spricht auch von der Urgent-Important-Matrix: Die Aufgaben eines Tages lassen sich in vier Kategorien von unterschiedlicher Wichtigkeit gliedern. Die dringenden und wichtigen Aufgaben macht man zuerst, weil sie die wichtigsten Anliegen voranbringen.

Welche Werkzeuge nutzen Sie im Alltag?
Für die Zusammenarbeit im Marketing-Team nutzen wir Asana, für die Startup-Alm arbeiten wir mit Trello.

Was sind Ihre Prioritäten für eluminocity im Jahr 2018?
Prozesse, Prozesse, Prozesse. Wir werden nach dem Investment zu einem erwachsenen Unternehmen und machen uns erstmals über Hierarchiestufen Gedanken. Wir führen eine gemeinsame Sales Software ein und werden die interne Kommunikation verändern: Wir wachsen und belegen inzwischen zwei Stockwerke. Nun brauchen wir regelmäßige Meetings, weil wir nicht mehr automatisch mitbekommen, was der jeweils andere macht.


Seit 2014 arbeitet eluminocity an intelligenten Straßenlaternen, die ihre Umgebung bedarfsgerecht beleuchten und außerdem Elektrofahrzeugen als Ladestation zur Verfügung stehen. In der Rubrik „Was ich sagen kann“ sprechen wir regelmäßig mit Experten über Kommunikation. Hier die Übersicht der bislang erschienenen Folgen.

Interview: Peter Wagner
Illustration: Frank von Grafenstein
Foto: startupalm.de