„Nicht so schnell aufgeben“

Was ich sagen kann – Gespräche über Kommunikation: Hauke Hannig leitet die Kommunikation der ebm-papst Gruppe in Mulfingen, Hersteller von Ventilatoren und Motoren. Die 14.500 Mitarbeiter des Weltmarktführers informiert er unter anderem in der Kantine.

31. Januar 2018

Herr Hannig, wie darf ich mir Mulfingen vorstellen?
Das ist ein kleines Dorf mit 3.000 Einwohnern, mitten im Jagsttal in Baden-Württemberg.

Was sehen Sie beim Blick aus dem Fenster?
Wald. Es ist hügelig, sehr natürlich, sehr grün. Vielleicht auch ein wenig wegen der Lage im Grünen gab der Unternehmensgründer ein Credo aus: Jedes Produkt aus unserem Haus muss ökonomisch und ökologisch besser sein als sein Vorgänger.

Welche ebm-papst-Produkte begegnen mir im Alltag?
Sie kommen jeden Tag im Schnitt mit 150 unserer Produkte in Berührung. Unsere Ventilatoren sind im Backofen, in der Dunstabzugshaube oder in Klimaanlagen verbaut. Im Auto kühlen unsere Produkte die Elektronik, wir stecken in der Heizung von Häusern, wir sind in Supermärkten für die Kältetechnik zuständig oder an der Kühlung von Serverfarmen beteiligt – die Cloud ist ja nicht wirklich in der Luft, sondern steht am Boden und muss dort gekühlt werden. Im Grunde sind wir überall dort, wo intelligent belüftet oder klimatisiert werden muss.

Viele sprechen mit Bewunderung von den deutschen Weltmarktführern, ebm-papst ist einer. Was macht ihn aus?
Ein Weltmarktführer sorgt für Innovationsschübe und ist technologisch führend und weltweit im Markt aufgestellt.

Woran arbeiten Sie gerade?
In der Kommunikation beschäftigt uns aktuell die Frage, wie wir Informationen und Botschaften direkt zum Mitarbeiter ans Band bekommen. Über eine App? Über Bildschirme? Oder doch über klassische Mitarbeitermagazine?

Sie publizieren noch ein sehr wertiges, gedrucktes Mitarbeitermagazin.
Wir glauben, dass das nach wie vor ganz wichtig ist. Wir versenden es direkt zu den Kollegen nach Hause, um unter anderem auch die Familienmitglieder zu erreichen. Aber auch unsere Tischaufsteller kommen sehr gut an!

Was meinen Sie?
Das ist ein DIN A6-großer Aufsteller für die Kantinentische, in den wir jede Woche neue Informationen stecken – zum neuen Geschäftsführer, zu unserem geplanten Entwicklungszentrum, zu einem neuen Produkt. Beim Essen sehen die Leute das auch.

Ein erstaunlich analoges Vorgehen.
In der Infoflut, die viele derzeit erleben, tut es gut, auf diese Weise zu kommunizieren. Und wir erreichen damit auch die Mitarbeiter ohne PC-Arbeitsplatz. Ein Azubi geht einmal die Woche umher und steckt die neuen Infos in die Aufsteller. Das läuft seit zwei Jahren super und die eine oder andere Firma kopiert den Ansatz.

Sind die Mitarbeiter die Bildschirme leid?
Nein, sicher nicht. Ziel ist, dass die Informationen und Botschaften die Mitarbeiter erreichen. Wir versuchen daher über viele unterschiedliche Kanäle zu kommunizieren, und da gehören auch die analogen dazu. Aus dem Grund haben wir auch keine Kanal-Zuständigen mehr, sondern Themeneigner.

Das bedeutet?
Dass wir alle Kanäle optimal und zielgruppenorientiert bedienen können. Eben haben wir den Bau unseres neuen Entwicklungszentrums bekannt gegeben. Wir beginnen mit der Führungskräfteinformation, publizieren im Intranet und über digitale Schwarze Bretter und enden bei den Tischaufstellern. Früher haben wir die interne Kommunikation vernachlässigt. Heute informieren wir erst nach innen und dann nach außen.

Präsidenten lassen sich zu vielen Themen gern mit einseitigen Sheets briefen. Ist es bei den Führungskräftebriefings genauso?
Unsere Management News sind Newsletter, sie erscheinen einmal im Monat und erreichen über 500 Führungskräfte. Wir veröffentlichen darin Kennzahlen: Jeder soll sehen, wo wir stehen. Jedes Thema bekommt maximal zehn Zeilen Text. Dafür haben alle, die wollen, ein Plenum, ein Sprachrohr in die Organisation. In seinem Editorial bewertet der CEO den aktuellen Monat. Das Ganze machen wir seit April 2017, mit Erfolg: Die Führungskräfte sind gut informiert und kommunizieren im Nachgang besser miteinander und mit ihren Mitarbeitern. Die Infos fließen.

Ist das immer wieder die große Herausforderung: 14.500 Menschen im Loop zu halten?
Ja. Und besonders der Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg wird immer wichtiger. Ich sehe es selbst an der Zusammenarbeit zwischen IT, Marketing, Human Resources und Unternehmenskommunikation. Früher haben wir mehr oder weniger getrennt gearbeitet, inzwischen sitzen wir sehr oft zusammen und arbeiten Projekte gemeinsam aus. Das große Thema: Wie kriegen wir Fachkräfte her? Jedes Projekt wird besser, weil wir einander schneller den Ball zuspielen – du schreibst die Texte, du analysierst die Zielgruppe, du definierst die Markenkontaktpunkte, die IT sorgt für die digitale Infrastruktur. Ohne die IT geht ja ohnehin gar nichts mehr.

In einer Zeit, in der alle zwei Wochen ein neues Thema durchs Dorf gejagt wird, ist es wichtig, auch an langfristigen Projekten festzuhalten

Nennen Sie mir ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit.
Ferienjobs.

Wie meinen Sie das?
Wir haben in Mulfingen jährlich einen Bedarf an rund 700 Ferienarbeitern. Die Suche wird immer schwieriger: einerseits aufgrund des demografischen Wandels, andererseits, weil die Lebensläufe von Studenten und Schülern immer perfekter werden und sie eher einen Auslandsaufenthalt im Fokus haben als einen Ferienjob. In diesem gemeinsamen Projekt ging es also darum, über Kommunikation oder Werbung ausreichend viele Bewerber zu generieren.

Welches Projekt der vergangenen Jahre ist Ihnen bis heute das Liebste?
Vor acht Jahren erfand unser Umweltmanagement das Ausbildungsprojekt „Energiescouts“: Azubis gehen dabei mit Wärmebildkamera und Druckluftmessgerät durch die Produktion und suchen nach Energieeffizienzpotentialen. Innerhalb der Unternehmenskommunikation haben wir das Projekt gepusht und intern wie extern bekannt gemacht. Vor drei Jahren hat es dann der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) all seinen IHKs empfohlen. Nach meinem Wissen suchen heute mehr als 3.000 Energiescouts in Deutschland nach Einsparpotentialen. Aktuell plant der DIHK sogar, das Projekt auf Europa auszudehnen.

Zu welchen Ergebnissen führt dieses Projekt?
Die Energiescouts haben allein bei ebm-papst seit Gründung etwa 1,7 Milionen Euro Energiekosten gespart. Das Projekt steht für die Sensibilisierung von jungen Menschen für den Klimaschutz.

Was haben Sie im Rahmen der Energiescouts selbst gelernt?
Ein Projekt nicht zu schnell ad acta zu legen. „Ach, die Energiescouts, die laufen doch schon vier Jahre, ich kann es nicht mehr hören“, sagen manche. Dennoch wird immer wieder eine Firma, ein TV-Sender oder eine Zeitung darauf aufmerksam und wir erkennen: So bekannt sind wir noch lange nicht. Man kann das Projekt immer wieder hochhalten und immer wieder darüber kommunizieren.

Ich verstehe, Sie haben Beharrlichkeit gelernt.
In einer Zeit, in der alle zwei Wochen ein neues Thema durchs Dorf gejagt wird, ist es wichtig, auch an langfristigen Projekten festzuhalten.


ebm-papst gehört zum erlauchten Kreis der Hidden Champions: Viele deutsche Unternehmen zählen international zu den Besten ihres Faches, entwickeln und produzieren aber abseits der Metropolen. In der Rubrik „Was ich sagen kann“ sprechen wir regelmäßig mit Experten über Kommunikation. Hier die Übersicht der bislang erschienenen Folgen.

Interview: Peter Wagner
Illustration: Frank von Grafenstein
Foto: PhilippReinhard.com