„Wir leben im Zeitalter der Netzwerke“

Was ich sagen kann – Gespräche über Kommunikation: Deepa Gautam-Nigge arbeitet seit Sommer 2017 als SAP Next-Gen Innovation Manager am Standort München. Sie sorgt unter anderem dafür, dass gestandene Unternehmen mit den richtigen Start-ups zusammenkommen.

07. Februar 2018

Frau Gautam-Nigge, woran arbeiten Sie jetzt gerade?
Im neuen Digital Hub Mobility, einer Initiative des Bundes, arbeiten Autobauer, Zulieferer, Mobilitätsdienstleister oder auch Start-ups und Forschung zusammen. Ich bin Teil des Lenkungskreises und wir planen zurzeit die nächsten Arbeitspakete. Für den 7. März organisiere ich ein großes Event zum Thema „Women in Data Science“, bei dem unter anderem Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und ich selbst einen Impulsvortrag halten werden. Und heute erwartet mich noch die Abschlusspräsentation von Studenten, die auf Basis von SAP-Technologie etwas entwickelt haben. Meine Arbeit hat viele verschiedene Facetten – mit strategischen Konzepten, aber auch oft operativen Details.

In Ihrer Email-Signatur lese ich „SAP Next-Gen Innovation Network Manager“. Wie erklären Sie Laien Ihre Arbeit?
Ich halte die Innovationsfahne von SAP am Standort München hoch – rund um die „Next-Gen“, die „nächste Generation“ von Unternehmern und deren Geschäftsmodellen. Ich verknüpfe die Start-up-Welt mit der Corporate Welt oder die Gründerzentren der Hochschulen mit Kapitalgebern. Unser höheres Ziel ist es, eine „Innovation Community with Purpose“ aufzubauen.

Das bedeutet?
Es geht uns um ein Innovationsnetzwerk mit einem übergeordneten, gesellschaftlichen Auftrag, das sich, wie die gesamte SAP, an den Nachhaltigkeitszielen der UN orientiert. Die Qualität der Bildung ist uns mindestens so wichtig wie Gender Equality. Gerade für Letztere setze ich mich in besonderem Maße ein.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie im Auftrag der SAP andere Unternehmen verknüpfen?
Wir befinden uns im Zeitalter der Netzwerke. Es geht nicht mehr, dass jeder in seinem stillen Kämmerlein arbeitet – gerade wenn wir versuchen wollen, die Welt besser und zukunftsfest zu machen. Der Digital Hub Mobility zum Beispiel ist ein Konglomerat aus 13 schwergewichtigen Industrievertretern, die zusammen an der Innovation der Zukunft arbeiten. Am Markt sind Unternehmen wie BMW oder Audi Wettbewerber, im Rahmen des Hubs widmen sie sich gemeinsam der digitalen Transformation, den sich wandelnden Märkten. Generell pflegen die Unternehmen einen stärkeren Austausch. Vergangene Woche habe ich zum Beispiel an einer internen Podiumsdiskussion von Siemens teilgenommen. Es ging um die Frage, wie Innovation in modernen Arbeitsformen gelingt. Das Thema treibt mich bezogen auf meine Aufgabe und mein Team derzeit selbst um.

Sie selbst sind viel unterwegs und treffen Menschen zum Austausch. Fördert die Digitalisierung den Wunsch, sich in echt zusammenzufinden?
Vom Hauptsitz der SAP in Walldorf wäre der Job nicht zu machen. Es hilft, hier in München inmitten des Innovationsökosystems zu sitzen. Mir ist es auch wichtig, nicht ausschließlich virtuell zu arbeiten, das allein behindert einen kreativen Austausch. Es gibt Themen, bei denen ist es gut, mit einem Stift in der Hand anderen gegenüberzusitzen. In der persönlichen Interaktion kann man besser iterieren.

Wann ist netzwerken aus Ihrer Sicht erfolgreich?
Erfolge entstehen nur, wenn ich klar weiß, was ich über ein Netzwerk erreichen will. Ein Netzwerk sollte deshalb immer zweckgebunden sein, es sollte eine klare Zielorientierung haben.

Man muss das Start-up-Ökosystem heute anders nutzen

Wie formulieren Sie Ihr persönliches Ziel?
Ich möchte Brücken bauen zwischen der Corporate-Welt und der Start-up-Welt, unter Einbindung der Kapitalgeber. Ich habe selbst ein Start-up mit aufgebaut und hatte unterschiedliche Rollen in Konzernen. Deshalb weiß ich, wie beide Welten gut voneinander lernen können.

Wie genau verbindet man gestandene Unternehmen mit Gründern und deren Ideen?
Aus meiner Sicht funktioniert das nur in einer gut strukturierten „Research and Development“-Partnerschaft, die allerdings auch auf die kulturellen Unterschiede bei großen und kleinen Unternehmen eingehen muss. Früher haben Großunternehmen Portfolios betrieben und in Start-ups investiert, eher im Rahmen einer Finanzanlage-Strategie. Durch die Demokratisierung der Technologie sind die Markteintrittsbarrieren deutlich niedriger. Man muss das Start-up-Ökosystem heute anders nutzen.

Wie?
Forschen und entwickeln Sie gemeinsam mit den Gründern. Vernetzen Sie sich mit Wagniskapitalgebern, die naturgemäß einen guten Überblick über die Innovationen der „Start-up-Crowd“ haben. Die Unternehmen sollten sich fragen: Wo hat unser Portfolio Lücken? Was ist unsere Mission? Was bedeutet das für Forschung und Entwicklung? Mit wem muss ich zusammenarbeiten, um meine Lücken zu schließen? Es geht im Wesentlichen darum, die Innovationskraft am Markt zusätzlich in die eigene Innovations- und Entwicklungsstrategie zu integrieren.

Wie gehen Sie das Thema bei SAP an?
Mit einigen unserer Kunden arbeiten wir bewusst in Netzwerken, gemeinsam mit Kapitalgebern und Gründerzentren sowie mit ausgewählten Start-ups. Wir sehen die Veränderungen, die durch Blockchain, Internet of Things, Artificial Intelligence und Machine Learning auf uns zukommen.

Halten wir fest: Wie lautet die entscheidende Lehre Ihrer Arbeit?
Wir leben im Zeitalter der Netzwerke: Nur wer Synergien sucht und über Netzwerke skaliert, wird in dem sich wandelnden Umfeld dauerhaft bestehen können.


SAP ist der größte europäische Softwarehersteller mit weltweit mehr als 84.000 Mitarbeitern. In der Rubrik „Was ich sagen kann“ sprechen wir regelmäßig mit Experten über Kommunikation. Hier die Übersicht der bislang erschienenen Folgen.

Interview: Peter Wagner
Illustration: Frank von Grafenstein
Foto: PR