Digital Media Camp

An vielen Orten versuchen Menschen gerade, die neuen Regeln der digitalen Kommunikation zu verstehen. Viele Fragen und ein paar Antworten vom Digital Media Camp in München

Franziska Naumann und Timo Radzik

Da war dieser Leberkäse. Man sah nur zu, fragte sich, wann die optimale Kruste erreicht ist. Der Livestream hatte 70 000 Zuschauer und wurde von begeisterten Kommentaren und Diskussionen begleitet.

Was ist das? Was heißt das, wenn gleichzeitig Breaking News über folgenschwere internationale Krisen nur Bruchteile solcher Aufmerksamkeit erreichen? Wie kommt man durch mit seiner Geschichte?

Etwa 300 Menschen aus verschiedenen digitalen Branchen trafen sich kürzlich für zwei Tage beim Digital Media Camp, organisiert vom Media Lab Bayern, ausgerichtet bei Microsoft in München. Es war ein Barcamp, die Redner standen vorher nicht fest, Teilnehmer stellten in 45-minütigen Sessions eigene Projekte, Probleme oder Ideen zur Diskussion.

Wir haben ein paar dieser Sessions besucht, hier einige Eindrücke und Gedanken dazu.

Was passiert mit unserem digitalen Erbe?

Ein Mensch stirbt und was dann? In der analogen Welt gibt es Bestatter und Nachlassverwalter, die sich mit den Trauernden um alle notwendigen Dinge kümmern. Aber was geschieht mit der digitalen Identität? Wenn der Verstorbene seine Passwörter nicht mitteilt, müssen Angehörige zusehen, wie Accounts geisterhaft weiterleben. Die wenigsten Online-Dienste bieten eine Funktion oder sind darauf ausgerichtet, inaktive Accounts von einer anderen Person verwalten zu lassen. Sabine Landes und Dennis Schmolk von digital.danach zeigten in ihrer Session, wie man hier vorsorgen sollte. Eine Videobotschaft ist beispielsweise rechtsgültig. Und bei Facebook kann man in den Einstellungen einen Nachlass-Account festlegen, der dann das eigene Profil eingeschränkt verwalten kann.

Der Roboter in unseren Köpfen

Diese Information verdrängt man gerne: Ein Viertel der Tweets während der zweiten TV-Debatte im US-Wahlkampf 2016 stammte von Bots, Programmen also, die sich als Menschen ausgeben und nahezu intelligent agieren. Die automatischen Wahltweets kamen zu gleichen Teilen aus den Lagern von Donald Trump und Hillary Clinton. Richard Gutjahr erklärte die Vor- und Nachteile von Bots und wie sie uns schon jetzt beeinflussen. So ergab der Imperva Traffic Report 2016, dass nur 51 % der Datenmenge im Internet von Menschen verursacht werden, der Rest bereits von automatisierten Programmen.

Bots können hilfreiche Assistenten sein, wenn sie beispielsweise Fragen bündeln und dem richtigen Experten zuspielen. Sie können aber auch benutzt werden, um das Meinungsbild zu verfälschen und somit Kettenreaktionen auszulösen. So geschehen im irren US-Wahlkampf 2016, so zu befürchten vor der Bundestagswahl 2017. Jetzt. Hier in Deutschland.

Spinat, Spiegelei, Leberkäse – wie Livestreaming funktioniert

In einer Session zu Live-Formaten zeigte Michael Praetorius, Publizist und Berater aus München, was es an Ausrüstung bedarf und welche inhaltlichen Faktoren seiner Meinung nach Livestreams erfolgreich machen: ein Warm-up, das Zuschauern den Einstieg in die Konversation erleichtert, sowie eine spitze und gut strukturierte Auswahl von Themen und Experten, kein Meinungs- und Perspektivengewitter. Live eingeblendete Votes erhöhen zusätzlich die Verweildauer.

Experimentiert wurde mit zwei Zuhörern, die parallel erklären sollten, wie Spinat und Spiegelei zubereitet werden. Und wir lernten: Folgen kann man nur, wenn es auch einen gut sortierten Stream an Informationen gibt, eine Unterteilung in Sinnabschnitte. Warum der still im Ofen backende Leberkäse so gut funktioniert, blieb offen. Vielleicht, weil er nicht so viel redet beim Backen.

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